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Unionspräsidentschaftskandidatin von Brion im Interview

04.10.11 (Allgemein)

Sie wäre die erste Frau als Staatsoberhaupt der Demokratischen Union, doch was will das westinsulanisch-imperianische ‘It-Girl’ als Unionspräsidentin erreichen? Der Vorwärts! interviewte die Überraschungskandidatin.

Vorwärts!: Frau von Brion, ihr Kandidatur kam für die meisten unserer Leserinnen und Leser überraschend, da Sie bisher nicht als Unionspolitikerin aufgefallen sind. Können Sie kurz ihren bisherigen privaten und beruflichen Werdegang und ihre derzeitige Tätigkeit darstellen?

von Brion: Mein Name ist Stella Viviana Lousia Marie von Brion, ich bin 25 Jahre alt und habe drei ältere Brüder. Geboren bin ich in Mixoxa, Imperia. Da meine Familie finanziell glücklicherweise ganz gut ausgestattet ist war ich in der glücklichen Lage und wuchs meistens in Mixoxa auf, verbrachte jedoch zwei Jahre meiner Schulzeit in Port Victoria, Roldem und machte ein Auslandsjahr in San Quentin, PA, Astor. Nach meinem Schulabschluss nahm ich mir etwas Zeit und reiste sehr ausgibig durch Astor, Albernia und die Demokratische Union, bevor ich mich in Saint-Tropez, WI, nieder ließ und dort ein Kommunikationswissenschafts-Studium begonnen habe.
Derzeit bin ich also Studentin. Die in letzter Zeit leider etwas schwierige politische Situation weckte jedoch ein zuvor nur sehr begrenzt vorhandenes Interesse, und so bin ich seit einiger Zeit Mitglied des Inselrates, wo ich einige einblicke in die Landespolitik der Westlichen Inseln bekommen konnte. Weitere öffentliche Ämter hatte ich noch nicht inne.

Welches sind ihre Motive für die Kandidatur als Unionspräsidentin? Welche Kompetenzen bringen Sie für das Amt mit?

von Brion: Nun, das Hauptmotiv war, den Mitbürgerinnen und Mitbürgern in der DU zu zeigen, dass man es auch als politische Quereinsteigerin in diesem Land zu etwas bringen kann, dass unsere Demokratie für jeden eine Beteiligungsmöglichkeit bietet. Ich halte das Amt der Unionspräsidentin für sehr wichtig, und ich bin der Überzeugung, dass in einer Demokratie einfach notwendig ist, Engagement zu zeigen – eine Demokratie funktioniert nur, wenn jeder mitmacht. Das Amt des Unionspräsidenten ist jetzt de facto seit dem Ausscheiden von Hajo Poppinga vor mehr als drei Monaten vakant. Seit dem leben wir mit einem Provisorium an der Spitze des Staates – das ist in meinen Augen ein unhaltbarer Zustand. Ich möche ein Zeichen setzen, in dem ich kandidiere, und vielleicht noch andere Kandidaten zu einer Kandidatur motivieren. Und ich möchte, dass die Wähler an der Wahlurne eine Option haben. Am liebsten wäre es mir natürlich, es gäbe noch mindestens einen weiteren Kandidaten oder eine Kandidatin, damit die Wahl auch wirklich eine Wahl ist. Dafür wollte ich meinen Teil beitragen.
Meine Qualifikationen? Nun, mein Werdegang zeigt ja, dass ich keine erfahrene Politikerin bin. Würde ich gewählt werden, würde ich etwas mitbringen, dass Unionspräsidenten schon lange nicht mehr hatten: Frischen Wind und einen Blick von Außen, der nicht durch ein langes Engagement in anderen Ämtern auf Unionsebene verstellt ist. Ich bin jung, motiviert und sicherlich auch etwas ungestüm, wie man das in jüngere Jahren noch ist. Und ich denke, ich bekomme auch die tagespolitische Neutralität, die man vom Unionspräsident erwartet, gut hin.

Wo sehen Sie die Demokratische Union in 6 Monaten, wenn ihre Amtszeit – einen Wahlerfolg vorrausgesetzt – dem Ende entgegen geht?

von Brion: Ich bin mir bewusst, dass die politische Musik in der Demokratischen Union in anderen Organen spielt und meine Aufgaben eher zeremonieller und repräsentativer Natur sein werden. Aber ich denke, für das, was ich mal etwas pathetisch als “Seele” der Demokratischen Union bezeichnen möchte, hat der Unionspräsident genau deswegen die Kernkompetenz. Ich möchte die Leute motivieren, begeistern und Zeichen setzen – ich möchte die Stimmung im Land wieder ändern. Ich glaube, viele Bürger haben den Eindruck, die Demokratische Union funktioniere nur noch als ein System von bürgerfernen, sich permanent streitenden Berufspolitikern, die in unterschiedlichen Konstallationen die Macht unter sich verteilen. Ich denke, das ist falsch – und ich möchte das zeigen: Angefangen durch meine Wahl, so sie erfolgt, und durch mein Handeln im Amt kann und will ich zeigen: In diesem Land kann jeder, der sich engagieren will, egal wo und egal wie, etwas erreichen. Jeder ist wichtig.
Und vor allem würde ich mir aber wünschen, dass bei den Menschen eine Sache in sechs Monaten eine Sache angekommen ist: Wir habe keine Dauerkrise. Die demokratische Union verändert sich, aber das ist kein Grund, sich in die Vergangenheit zu wünschen, wo manches vielleicht besser, größer und strahlender Wirkte. Ich denke, das ist die falsche Einstellung. Wir leben in einer Zeit, die sich völlig von der vor fünf Jahren unterscheidet. Aber das macht sie nicht schlechter – nur anders. Unsere besten Tage liegen noch vor uns. Und wenn wir zusammen es angehen und jeder nach seinen Möglichkeiten mitarbeitet, um aus dem, was die Gegenwart uns anbietet, das Beste daraus zu machen, dann hat Ratelon keine Probleme und keine Krise, sondern eine großartige Zukunft.

Einige Leserinnen und Leser interessiert auch ihr Verhältnis zu großen Meeressäugern. Irritationen rief ihr Ausspruch hervor “Ich kann auch ganz gut ohne Zwergwale.” Wie ist diese Haltung mit der Wertschätzung für das Wappentier der Demokratischen Union zu verbinden?

von Brion: Inzwischen habe ich ein sehr enges Verhältnis zu Walen – ihr Schutz liegt mir sehr am Herzen. Damals war das noch nicht so, und auch wenn die Aussage wahrscheinlich unglücklich formuliert war, so ist meine Haltung von damals – ein Ausdruck des Desinteresses für Vorgänge in einem Land ziemlich weit entfernt von uns – in meinen Augen leider mit der Meinung der Mehrheit in diesem Land sehr gut vereinbar.
Damals ging es darum, dass das Gerücht die Runde machte, in Eldeya werde der Walfang zugelassen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Eldeya den Walfang eingeschränkt hatte, aber bevor diese Korrektur kam, brach hier schon eine wilde Diskussion los, das man etwas dagegen tun müsse. Natürlich nur in Eldeya – niemand fragte sich aber, ob wir vielleicht bei uns damit anfangen sollten, und nicht in Eldeya. Mir wäre nicht bekannt, dass – abgesehen vom Status als Wappentier – Wale im Gebiet der Demokratischen Union besonders geschützt sind. Ich kenne keine Walfangverbote unseres Staates. Wir haben ein Umweltgesetzbuch, dass Regelungen für den Tierschutz bedrohter Arten aufstellt – aber den dort geforderten Anhang, über den Wale unter Schutz gestellt würden, habe ich nirgends finden können. Theoretisch kann man auch in den Gewässern der Demokratischen Union mit einer Harpune hinaus fahren und Wale abschlachten. Aber es scheint niemand zu interesssieren, so lange nicht irgend ein nordischer Kleinstaat das Thema angeht. Das bedeutet: Offensichtlich kann man in der DU – leider – auch ganz gut ohne Zwergwale, so lange zumindest einer auf dem Wappen ist und unsere Symbole zieren kann. Das Interesse am konkreten Tierschutz hingegen scheint leider nicht sonderlich weit verbreitet zu sein.